25 Jahre auf dem Museumsdach – die Tupolev Tu-144

Einst flog sie mit doppelter Schallgeschwindigkeit durch die Lüfte. Heute steht sie stolz und weithin sichtbar zusammen mit ihrer „Überschall-Schwester“, der Concorde F-BVFB, auf dem Technik Museum Sinsheim: Am 26. März 2001, vor 25 Jahren, kam die Tupolev Tu-144 auf unser Museumsdach …

Teil 1: Die Geschichte
Sie entstand in einer Zeit, in der Innovationen der Luft- und Raumfahrt die Welt begeisterten und Ost und West im Kontext des Kalten Krieges um die technologische Weltspitze wetteiferten: Neben spektakulären Raumfahrtprojekten und immer höheren Fluggeschwindigkeiten war in den 1960er-Jahren die Idee eines Überschallflugzeugs für die zivile Luftfahrt ein ehrgeiziges Ziel, das Frankreich und Großbritannien mit der Concorde, die USA mit der Boeing 2707 und die Sowjetunion mit der Tupolev Tu-144 verfolgten.

1963 hatte das Konstruktionsbüro Tupolev im Auftrag des Kreml mit der Entwicklung eines Passagierflugzeugs mit Überschallgeschwindigkeit begonnen. Wie die westlichen Konkurrenzmodelle hatte das sowjetische Flugzeug deltaförmige Flügel, jedoch lagen bei der Tu-144 z.B. die Triebwerke dichter am Rumpf als bei der Concorde, und sie verfügte über eine einfachere Tragflächengeometrie, überdies erhielten ihre späteren Serienmaschinen ausfahrbare Canard-Flügel für den Langsamflug.

Als erstes Überschallflugzeug der Welt startete die Tu-144 am 31. Dezember 1968 zum Erstflug, schneller als der Schall flog sie erstmals am 5.6.1969. Beide Male war ihr die Concorde mit denselben Erstleistungen zeitlich dicht auf den Fersen. Das amerikanische Projekt wurde 1971 eingestellt. Ein schlimmer Rückschlag für den sowjetischen Jet war der 3. Juni 1973, als das Flugzeug während einer Vorführung auf dem Pariser Aero-Salon im Flug auseinanderbrach.

Die Tu-144 nahm im Dezember 1975 den Post- und Frachtflug auf, ab November 1977 wurden Passagiere mit dem Überschalljet zwischen Moskau und Alma-Ata (heute Almaty) transportiert. Da der Betrieb schwierig und unwirtschaftlich war, wurde der Liniendienst 1978 beendet. Die Concorde absolvierte am 24. Oktober 2003 ihren letzten Linienflug.

(Zur Geschichte der beiden Überschallflugzeuge: Königinnen des Überschalls.)

Teil 2: Wie kam die Tu-144 auf das Museumsdach in Sinsheim?

Eine erste Anfrage des Museums an das Tupolev-Werk in Moskau blieb zunächst unbeantwortet. Umso größer war die Überraschung, als 10 Jahre später der technische Konstruktionschef von Tupolev, Herr Pukhov, mit einer Delegation vorstellig wurde und erklärte, dass bei noch bestehendem Interesse eine Maschine im Werk zur Verfügung stünde.

Hermann Layher, der heutige Museumspräsident, machte den russischen Partnern daraufhin ein Angebot, das den Transport von russischer Seite bis Mannheim beinhaltete und sofort angenommen wurde, und so ging die Tupolev Tu-144 auf ihre letzte Reise.

Über die Moskwa wurde sie zunächst durch Moskau transportiert, dann ging es weiter nach St. Petersburg, wo man den Überschalljet in ein Küstenmotorschiff lud. Entlang an der Küste ging die „Schiffsreise“ der Tu-144 bis nach Rotterdam und dann im Rhein bis Mannheim, wo das Flugzeug durch die von Herrn Pukhov geführte russische Delegation feierlich übergeben wurde. Auf einem Neckarschiff ging es nun weiter bis zum Schwerlastkai von Heilbronn und ab dort über Straßen und Autobahn zum Technik Museum Sinsheim.

Am 26. März 2001 kam die Tupolev Tu-144, in Startposition auf drei Stahlstützen, aufs Dach des Museums. 2003 gesellte sich auch die Concorde F-BVFB dazu. Man kann die Flugzeuge begehen und sogar einen Blick ins Cockpit werfen …

Wie zwei Fixsterne grüßen die beiden Königinnen des Überschalls, die so faszinierend Luftfahrtgeschichte geschrieben haben, heute die Sinsheimer Besucher.
Schön, dass du bei uns auf dem Dach bist, liebe Tupolev Tu-144!

Mehr zum spektakulären Transport der Tupolev Tu-144 nach Sinsheim ist im „Stories“-Text von unserem Museumspräsidenten Hermann Layher vom 18.12.2018 zu lesen:
Wie wir zur Tupolev Tu-144 kamen.

 

 

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